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Bornholm außerhalb der Saison

Die meisten Touristen besuchen Bornholm zwischen Mai und September. Schließlich gilt die Insel als „Fahrradinsel“, und sommerliche Radtouren gehören zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Viele Urlauber entspannen an den Sandstränden im Süden der Insel oder genießen den Charme der kleinen bornholmischen Städte.

Doch was kann man auf Bornholm im Winter unternehmen? Wenn ihr euch fragt, ob sich eine Reise in diesen Teil Dänemarks zum Jahreswechsel lohnt, kann ich euch versichern: ja, absolut! Gemeinsam mit meinem Mann entschieden wir uns für eine einwöchige Reise nach Bornholm im Dezember. Unsere Freunde hielten diese Idee für ungewöhnlich, und auch unsere Familie fragte sich, was wir auf dieser kleinen Insel in einem so wenig touristischen Monat wohl unternehmen würden. Wir hingegen freuten uns voller Vorfreude auf die Reise – auf Ruhe, Stille und das Gefühl, ganz für uns zu sein.

Beste Zeit
Nebensaison • Winter
Stimmung
Ruhe • Entschleunigung
Mobilität
Auto • Fähre • Bus
Highlights
Rønne • Hammershus • Christiansø
Zentrum von Rønne

Anreise nach Bornholm

Wir machten uns mit dem eigenen Auto auf den Weg. Außerhalb der Saison ist Bornholm von Polen aus am einfachsten über Schweden zu erreichen. Zunächst fuhren wir mit der Fähre von Gdynia nach Karlskrona (Stena Line). Diese Verbindung nutzen wir relativ häufig und entscheiden uns meist für eine Nachtüberfahrt. Am frühen Morgen erreicht die Fähre Karlskrona, von wo aus uns noch etwa zwei Stunden Fahrt nach Ystad erwarten. Von dort legt die Fähre der Bornholmslinjen auf der Strecke Ystad – Rønne ab.

Zwar ist Bornholm auch von Deutschland, Dänemark und Polen aus auf dem Seeweg erreichbar, doch die Verbindung von Ystad ist die kürzeste. Die Überfahrt dauert – je nach Seegang – zwischen 1 Stunde 20 Minuten und 1 Stunde 30 Minuten.

Während der Pandemie mussten die Passagiere in ihren Fahrzeugen bleiben, doch aufgrund der kurzen Überfahrtszeit stellte dies kein großes Problem dar. In Zeiten von COVID-19 war die Einreise nach Bornholm strenger als üblich, und einige Fahrzeuge wurden sanitären Kontrollen unterzogen.

Tipp: Wenn du mehr über die Inselhauptstadt erfahren möchtest, sieh dir auch Rønne an.

Städtischer Alltag in Rønne Oldtimer auf den Straßen von Rønne Rønne – Winterstimmung

Unterkunft – ein Zuhause fern von Zuhause

Für unseren einwöchigen Aufenthalt entschieden wir uns für die Anmietung eines Ferienhauses über das DanHoliday Center, dessen Zentrale sich in einem Einkaufszentrum im Zentrum von Rønne befindet. Die Buchung sowie die Schlüsselübergabe verliefen äußerst schnell und unkompliziert. Ein großer Vorteil der Ferienhausvermietung außerhalb der Saison ist der deutlich niedrigere Preis. Die Miete für eine Woche betrug lediglich 3.000 DKK – ein Preis, der auch im Vergleich zu lokalen Hotels sehr konkurrenzfähig war.

Ein Nachteil vieler lokaler Immobilien ist ihre saisonale Bauweise. Viele Häuser sind als typische Sommerhäuser konzipiert, was sich auch architektonisch bemerkbar macht. Einfach verglaste Fenster und schlecht isolierte Wände sorgen dafür, dass es im Inneren recht kühl ist und das Beheizen solcher Gebäude einen hohen Energieaufwand erfordert. Dies ist besonders relevant, da Strom- und Wasserkosten separat nach Zählerstand abgerechnet werden.

Wir übernachteten im kleinen Ort Lobbæk, etwa auf halber Strecke zwischen Rønne und Aakirkeby. Die Lage war ruhig, dennoch gut angebunden. Im Sommer dürfte es dort besonders idyllisch sein – der große Garten vor dem Ferienhaus eignet sich dann perfekt zum Sonnenbaden, für sportliche Aktivitäten oder ausgelassene Spiele mit Kindern.

Winterliche Gassen auf Bornholm
Rønne im Winter Straßen von Rønne Gudhjem im Winter
Bushaltestelle in Dueodde

Transport

Im Winter ist ein Auto für die Erkundung Bornholms deutlich besser geeignet als ein Fahrrad. Wer von Kopenhagen aus anreist, sollte die Anmietung eines Fahrzeugs in Betracht ziehen. Die Straßen sind gut ausgebaut, der Verkehr gering, sodass selbst Fahrer mit wenig Erfahrung problemlos zurechtkommen.

Während unseres Aufenthalts begegneten wir nur wenigen Radfahrern – fast ausschließlich Einheimischen. Das bestätigt die These, dass sich Radtourismus eher für die Sommermonate eignet.

Auf der Insel gibt es zudem ein gut funktionierendes Busnetz. Erwähnenswert sind die bornholmischen Bushaltestellen, deren Wartehäuschen in den Farben der lokalen Flagge gestrichen sind.

In Rønne trifft man auch auf einige Taxis, die vor allem nicht motorisierte Touristen und Nachtschwärmer bedienen. Da der Fahrdienst UBER in Dänemark verboten ist, haben lokale Taxiunternehmen selbst auf der kleinen Insel Bornholm eine stabile Position.

Zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Bornholms zählen die Häfen von Rønne und Nexø sowie der Flughafen am Stadtrand von Rønne. Das kleine Terminal – kaum größer als ein Nachbarschaftssupermarkt – bedient zuverlässig regelmäßige Verbindungen nach Kopenhagen sowie im Sommer saisonale Flüge nach Deutschland und in einige dänische Städte.

Kulinarik

Trotz seiner geringen Größe ist Bornholm ein wahres kulinarisches Zentrum. Viele Restaurants – insbesondere jene mit Außenbereichen – haben saisonal geöffnet, doch es gibt auch eine beachtliche Anzahl an Lokalen, die ganzjährig betrieben werden.

Nach dem pandemiebedingten Gastronomie-Lockdown in Polen freuten wir uns besonders über echte Restaurantbesuche, Bedienung am Tisch und das Genießen von Speisen vor Ort.

Ein weiterer Vorteil der Nebensaison war die problemlose Reservierung eines Tisches. Wir entschieden uns für ein Abendessen im Restaurant Det Røde Pakhus im Zentrum von Rønne – ein Volltreffer. Das Lokal ist im typisch nordischen Stil eingerichtet, und die Speisekarte basiert auf regionalen Zutaten, ergänzt durch italienische und asiatische Einflüsse.

Im Herzen von Rønne gibt es außerdem zahlreiche gemütliche Cafés. Besonders angetan hat es mir das Café Gustav. In der Adventszeit lohnt es sich, dort ein typisch dänisches Dessert zu probieren: Æbleskiver – kleine Pfannkuchenkugeln, serviert mit Marmelade. Auch die Kuchen sind hervorragend, vor allem der Heidelbeer-Käsekuchen.

Die besten Sandwiches findet man hingegen am anderen Ende der Insel in Nexø. Das eklektisch eingerichtete Café Guldbønnen serviert ikonische dänische Smørrebrød – sowohl warm als auch kalt, beide Varianten üppig und köstlich.

Bornholm ist berühmt für seine Räuchereien, insbesondere in Svaneke, Allinge und Hasle. Leider sind viele davon im Dezember geschlossen. Wir waren fest entschlossen, die berühmten Räucherwaren zu probieren, fanden schließlich eine Räucherei mit Take-away-Angebot – doch leider wurden Bestellungen nur mit sehr großem Vorlauf angenommen. Es scheint also, dass wir für ein tieferes Kennenlernen der Räuchertraditionen im Frühling oder Sommer zurückkehren müssen.

Æbleskiver im Café Gustav
Det Røde Pakhus – Essen in Rønne Æbleskiver – dänisches Dessert
Smørrebrød
Museum in Rønne

Lokale Produkte

Was mich auf Bornholm absolut begeistert hat, war die Anzahl unabhängiger Keramikwerkstätten, lokaler Manufakturen, kleiner Betriebe und künstlerischer „Schätze“, die sich in Garagen und ländlichen Schuppen verstecken. Eine willkommene Abwechslung zu Kettenläden und Massenproduktion.

Ein fantastisches Souvenir von Bornholm ist Keramik – die Designs sind so vielfältig, dass jeder etwas Passendes findet. Produkte einer kleinen bornholmischen Manufaktur findet man sogar in der berühmten Kopenhagener Restaurantlegende Noma.

Außerdem lohnt es sich, lokale Lebensmittel zu kaufen, die schmackhaft und hochwertig sind. Besonders empfehle ich bornholmische Senfe und Öle sowie Bonbons aus der Fabrik in Svaneke. In kleinen Läden auf dem Land findet man außerdem Honig und hausgemachte Marmeladen.

Ebenfalls erwähnenswert ist bornholmisches Bier. Auf der Insel gibt es mehrere kleine Brauereien, die sich auf Craft Beer spezialisiert haben.

Über die ganze Insel verteilt trifft man zudem auf Selbstbedienungsstände mit lokalen Produkten, für die man bezahlt, indem man Geld in eine beigefügte Dose legt.

Modefans sollten Gudhjem besuchen – dort gibt es viele Boutiquen mit lokal hergestellter Kleidung. Es dominieren natürliche Stoffe: Baumwolle und Leinen.

Besichtigungen

Besichtigungen auf Bornholm sollte man im Winter am besten nach der Tageslänge planen. Gegen 16:00 Uhr wird es dunkel, bis dahin lohnt es sich, sich auf Spaziergänge und andere Outdoor-Aktivitäten zu konzentrieren.

Wer in der Hauptstadt ist, sollte unbedingt durch das Zentrum von Rønne schlendern und auch in die Seitenstraßen abbiegen. Rønne und Nexø sind die einzigen dänischen Städte, die während sowjetischer Bombardierungen Schäden erlitten. Beim Spaziergang zwischen der niedrigen Bebauung lohnt es sich zu erkennen, welche Häuser nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaut wurden.

Weihnachtsstimmung spürt man in der Hauptstadt am intensivsten: Auf dem zentralen Platz wird ein kleiner Weihnachtsmarkt aufgebaut, umgeben von Lichterdekorationen. Rønne ist zudem ein guter Ort für Weihnachtseinkäufe; die lokalen Geschäfte bieten neben bornholmischen Produkten auch klassische dänische Marken.

Außerdem sollte man Zeit für einen Besuch im Bornholmer Museum in Rønne einplanen. Besonders interessant ist der Teil der Ausstellung, der sich der Kriegsgeschichte der Insel widmet. Mich persönlich hat auch ein kleiner Raum mit polnischen Bezügen in diesem Teil des Königreichs Dänemark fasziniert.

Hammershus

Eine ganzjährige Attraktion Bornholms sind die Ruinen der Burg Hammershus aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Besuch der Festung ist kostenlos, und ein Rundgang um die Mauern ist im Winter – wenn keine Menschenmassen unterwegs sind – deutlich angenehmer.

Das ganze Jahr über kann man außerdem interessante Felsformationen an der Nordküste der Insel bewundern. Besonders hervorzuheben sind die Klippen Helligdomsklipperne nahe Gudhjem.

Auf Reisen über die Insel stößt man in manchen Dörfern auf sogenannte Rundkirchen. Die weiß getünchten Gebäude mit ihren runden Formen sind ein typisches bornholmisches architektonisches Phänomen und verdienen eine nähere Betrachtung. Ein weiteres häufiges Element sind Windmühlen, die wunderbar in die idyllische Landschaft der Insel passen.

Als Kunstliebhaberin konnte ich außerdem einen Besuch im Bornholmer Kunstmuseum nicht auslassen. Die Galerie befindet sich in einem modernen Gebäude in der Nähe des Ortes Rø im Norden der Insel. Der interessanteste Teil der Ausstellung sind Werke, die Bornholm darstellen – Landschaften, Menschen und den Alltag.

Es ist leicht zu erkennen, dass die bornholmische Natur – unberührte baltische Strände, eine felsige Küste und die Fischeratmosphäre der lokalen Dörfer – die wichtigste Quelle künstlerischer Inspiration war.

Ebenfalls lohnenswert ist ein Ausflug auf die kleine Insel Christiansø, die zum Archipel Ertholmene gehört. Die Insel kann auf eine reiche Geschichte verweisen, und ihre strategische Lage verlieh ihr große militärische Bedeutung. Im Sommer besuchen Christiansø große Touristenmengen, deshalb ist ein Aufenthalt im Winter ein einzigartiges, authentisches Erlebnis. Beim Spaziergang über die Wege kann man sich wie einer der 84 Bewohner fühlen.

Im Winter übernimmt die Postbootverbindung „Peter“ die Kommunikation zwischen Bornholm und Christiansø, und die einstündige Überfahrt über die unruhige Ostsee ist ein Abenteuer für sich.

Wer über die Insel fährt, sollte sich auf spontanes Entdecken einstellen – zumal man am Straßenrand immer wieder Schilder findet, die über geöffnete Künstlerwerkstätten oder Keramikstudios informieren, bei denen kleine Cafés angeschlossen sind.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest: Hammershus · Christiansø · Rønne

Hauptstraße auf Christiansø Brücke zwischen Christiansø und Frederikso Rundkirche in Nylars

Wenn man auf Bornholm ist – besonders außerhalb der Saison – lohnt es sich, sich Zeit zu geben und langsamer zu reisen, die Stille zu genießen und den Kontakt zu Einheimischen zu suchen. Bornholm ist eine interessante und authentische Insel, in die man sich leicht verlieben kann – sogar im Winter!

Autorin: Kinga Eysturland (www.kierunekdania.pl)

Autorin: Kinga Eysturland – kierunekdania.pl

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